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37. Artikel Winter 1963

„Die Wirkung der tierischen Komponente im Dünger!“

Der Boden kommt nur zu Höchstleistungen wenn der biologische Substanzkreislauf funktioniert, er braucht zur Entwicklung einer stabilen hohen Dauerfruchtbarkeit nicht nur die Grundelemente Wasser Luft und Wasser, sondern auch die Stoffe aus dem biologischen Kreislauf.
Man unterscheidet drei verschiedene Stoffarten im Ernährungskreislauf abgestuft nach ihrer Wertigkeit.

1. Die Nährstoffe, die Bausteine von Eiweiß Kohlehydrat und Fett die sich im Ernährungskreislauf der Ionen finden.

2. Die Wirkstoffe, wie Vitamine, Enzyme oder Fermente, Hormone und Wuchsstoffe

3. Die Großmoleküle der lebendigen Substanz, die als Inhalt lebendiger Gewebezellen und Flüssigkeiten in jeder Nahrung vorhanden sind.

 

Die wissenschaftliche Bezeichnung „biologisch“ für einen Substanzkreislauf besagt, dass es sich um Stoffe handelt, die nur beim Lebendigen vorkommen und ihm dienen. Die Bezeichnung Kreislauf besagt, dass der Wechsel der Stoffe (der sog. Stoffwechsel) darin besteht, dass die Stoffe zwischen den einzelnen Gliedern des Lebendigen ausgewechselt werden, nicht zwischen dem Lebendigen und dem Leblosen. Das Lebendige in seiner heutigen Gestalt ist absolut davon abhängig, dass es die nötigen Stoffe für seine Lebenstätigkeit und den Aufbau seiner sichtbaren Gestalt aus dem biologischen Substanzkreislauf bezieht und dieser bedeutet Ordnung. Ein Lebewesen muss Ordnung in sich aufnehmen, nur um in biologischer Ordnung zu bleiben (der Physiker Schroedinger).
Alle drei Stufen der biologischen Nahrungsstoffe enthalten diese Ordnung.
Nur ein gesunder Boden bringt gesunde Pflanzen hervor, und nur gesunde Pflanzen bringen gesunde Tiere und Menschen hervor aber auch nur gesunde Pflanzen Tiere und Menschen bringen einen gesunden Boden hervor.
Die höchsten Leistungen die vom Lebendigen vollbracht werden, vollbringt nicht Mensch oder Tier, auch nicht die Pflanze, sondern der fruchtbare Boden die „Mutter Erde“.
Es ist von Natur vorgesehen, dass alles was vom Boden lebt, d.h. alle Organismen, ihre Abfälle an den Boden zurückgeben ohne jede Ausnahme in voller biologischer Ganzheit. Damit haben wir die biologische Grundregel für die natürliche Düngung.
Es gibt nun Bestrebungen, die den tierischen Dünger total ausschalten und den Boden nur pflanzlich ernähren. Das widerspricht den Gesetzen des ganzen vollständigen biologischen Kreislaufes.
Nun ist es aber so, dass die tierische Komponente doch an den Boden herankommt, ohne dass man es verhindern könnte durch Würmer, Insekten, Vögel u.a.m.
Aber es ist ohnehin ganz falsch den Versuch zu machen, die tierische Komponente auszuschalten; sie gehört zur Ganzheit der Bodenernährung und ist für Höchstleistungen unentbehrlich.
Die höchste Leistung eines Bodens kommt also letzten Endes nur zustande, wenn zwei Hauptbedingungen erfüllt werden :

1. Der Boden muss Nahrung aus allen Bereichen des Lebens erhalten, sowohl vom Wurm und Insekt, wie von Pflanze, Vogel, Säugetier und Mensch und zwar von allen ihren „Teilen“.

2. Diese Nahrung muss möglichst hochwertig sein, d.h. möglichst viel biologische Ordnung enthalten, also möglichst von gesundem Lebewesen stammen.
Ursprünglich gab es freilich einmal nur den Boden und die Pflanze auf der Erde und sie genügten sich gegenseitig – der Kreislauf war noch einfach. Mit dem Aufblühen tierischen Lebens haben sich Boden und Pflanze darauf eingestellt, dass die tierischen Abfallprodukte am biologischen Substanzkreislauf teilnehmen, weil sie anders nicht im Stande wären, dem Tier und dem Menschen hochwertige Nahrung zu liefern. Der ganze Kreislauf umfasst immer alle drei Arten von Lebewesen, den Boden, die Pflanze und das Tier.
Höchstleistungen der biologischen Nahrungsproduktion sind ohne die tierische Komponente nicht möglich. Allerdings ist sehr darauf zu achten, dass kein Übermaß geübt wird, sondern die Teile des Substanzkreislaufes in der biologischen Ordnung zueinander stehen.

36. Artikel Herbst 1963

„10 Jahre biologische Bodenprüfung“

 In seinen Anfängen hatte der biologische Landbau zur Kontrolle seiner Arbeit am Boden, an der Pflanze, seiner Düngung und seiner Erfolge kaum mehr zur Verfügung als die innerste Überzeugung, dass die künstliche Pflanzenernährung falsch sei. Zwar hat sich diese Überzeugung in diesen und jenen Erfahrungen allmählich als richtig erwiesen, im Großen und Ganzen aber arbeitete man „im Dunklen“. Es gab nur sehr unzuverlässige Anzeichen dafür, ob ein Boden, ein Kompost, eine Pflanze biologisch gut sei; die Folge war, dass beinahe jeder eigene Rezepte hatte, und es gab so viele verschiedene Vorschriften für den organischen Landbau, dass man sie unmöglich unter einen Hut bringen konnte.
Zu gleicher Zeit gab es aber im „offiziellen“, von der Agrikulturchemie bestimmten Landbau bereits erprobte, eingespielte Teste, die scheinbar den „Nährstoff“-Gehalt von Böden und Düngern sehr exakt feststellten und zu genauen Angaben über die angeblich „harmonische“ Kunstdüngung benutzt wurden. Besonders einfache Gemüter fühlten sich hier absolut gesichert, und da man zu Anfang die Kehrseite der Mineraldüngung auch noch nicht deutlich zu sehen bekam, ging damals die große Mehrheit der Bauern mit fliegenden Fahnen zur Kunstdüngung über.
Das wäre wahrscheinlich nicht geschehen, wenn die Entwicklung der biologischen Wissenschaften genau so weit vorgeschritten gewesen wäre wie die der chemisch-physikalischen. Davon konnte aber keineswegs die Rede sein, im Gegenteil: Noch heute befindet sich die Lebensforschung in ihren Anfängen, zum mindesten dort, wo sie sich als „anerkannte Wissenschaft“ bezeichnet. Hätte man damals, vor 30-40 Jahren nicht nur chemische und physikalische, sondern auch biologische Teste gehabt, die anhand von Boden- und Düngerproben Angaben über Umfang und Güte der Fruchtbarkeit, über das biologische Gleichgewicht und die Bodengare erlaubt hätten, so wäre die Entwicklung der Landbauwissenschaft und des praktischen Landbaues vermutlich ganz anders verlaufen.
Nun haben vor etwa 30 Jahren Ärzte begonnen, sich genauer mit den Problemen zu befassen, und zwar Ärzte, die sich mit den mikrobiologischen Zeichen von Gesundheit und Krankheit abgaben.
Damals zeichnete sich zum ersten Male in diesen niedersten Lebensbereichen der Bakterien eine biologische Ordnung ab; man bemerkte zum ersten Male, dass es auch hier Anzeichen von Ordnung und Unordnung, von krank und gesund, von richtig und falsch gibt, Anzeichen, die man dort, wo Mensch und Tier mit Bakterien zusammenleben, für ein Urteil über deren Gesundheitszustand benutzen kann. Es ergab sich sogar damals schon, dass man mithilfe bestimmter Bakterien auf die Gesundheit fördernd einwirken kann.
Inzwischen ist auf diesem Gebiet viel mehr bekannt geworden, und man weiß heute, dass die mit Menschen und Tiere zusammenlebenden Bakterien (man nennt sie „Symbionten“) den Zustand der Grundgesundheit sehr genau anzeigen. Man weiß, welche Arten man finden muss, wenn die Grundgesundheit gut ist, und man weiß, welche Bakterien auftreten, wenn der von ihnen besiedelte Organismus nicht „in der biologischen Ordnung“ ist. An solchen Forschungsaufgaben haben auch wir, die wir heute die mikrobiologische Untersuchung der Bodenproben vornehmen, teilgenommen, und ein Arbeitskreis von Ärzten und Tierärzten hat sich unsere Erfahrung praktisch zunutze gemacht.
Eines Tages kamen wir dahinter, dass einer unserer Lehrer, der 1952 verstorbene Bakteriologe Arthur Becker in einer Tonne Kolibakterien züchtete, die er auf seine Pflanzen im Garten goss. Von diesem schweigsamen Mann erfuhren wir nicht viel mehr, als dass er dies schon seit langer Zeit tue, und dass der Boden auf diese Weise herrlich fruchtbar wurde; da gab es so prächtiges Wachstum, wie man es sonst nie sieht, keine Schädlinge, keine Krankheiten und einen wundergar garen Boden. Aber wir hatten das Gefühl, dass dieser immer bescheidene Mann selbst nicht genau wusste, welchen hochwichtigen Dingen er da auf der Spur war.

 

In den folgenden Jahren haben wir nun mit Mittererden aus Gärten, Pflanzbeeten, Gewächshäusern und Komposten genau dasselbe gemacht, was wir in der medizinischen Bakteriologie gelernt hatten :
Wir haben versucht, die Bakterienflora dieser lebendigen Materialien auf Nährböden darzustellen, um herauszubekommen, wie groß die Fruchtbarkeit der Proben ist und von welcher Güte. Und das führte zu einem vollen Erfolg.
Mit der Zeit haben wir immer mehr Versuche angestellt und uns davon überzeugt, dass wir eine Methode entdeckt hatten, die für den biologischen Landbau geradezu wie geschaffen war, eine Methode, die er bisher hatte entbehren müssen, und wir nahmen denn auch um das Jahr 1950 herum alle diese Erfahrungen am lebendigen Boden in unsere medizinischen Vorträge auf. Einen solchen Vortrag hat auch Dr. Müller in Bern miterlebt und offenbar ganz klar die Chance erkannt, die sich hier für den biologischen Landbau bot. Es schien, man könnte hier den wissenschaftlichen Vorsprung des chemischen Landbaues nachholen und brauche in Zukunft nicht mehr „im Dunklen“arbeiten wie bisher. Und diese Meinung hat sich in der weiteren Zukunft bestätigt.
zu Es folgt eine ausführliche Darstellung des von Dr. Rusch entwickelten Verfahrens wonach Bakterien, die am häufigsten Lebewesen eines fruchtbaren Bodens in ihrer Zusammensetzung ein unbestechliches Zeugnis der biologischen Bodenqualität abgeben. Es wird sowohl über die Menge als auch über die Güte des zu untersuchenden Bodens entscheidendes ausgesagt.
Der Test wird heute nur mehr in bescheidenen Mengen im Labor von Mag. Andree Gilhofer in 4170 Haslach, Rebenleiten 10, ausgeführt.

35. Artikel Sommer 1963

 „Heilen kann nur das Lebendige“

Was ist Heilen und was ist eine „Heilung“?

Das Heil eines Lebewesens ist seine Gesundheit. Echte Gesundheit ist das Vermögen eines Lebewesens, in der ihm zugemessenen Lebensgemeinschaft alle die ihm zustehenden Aufgaben zu erfüllen, auch an der lebendigen Umwelt und auch an den Nachkommen. Das gilt für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermassen. Heilen heißt also, einem Lebewesen, das diese seine Gesundheit verloren hat, sie wiederzuschenken. Und das ist sehr viel, es ist viel mehr als man bisher leider darunter versteht. Bisher setzte man „Gesundheit“ gleich mit „Freisein von Krankheit“ und unter Krankheit versteht man bisher fast nur das, was sich als krankhaft nachweisen lässt. Man dürfte nie eine Pflanze als „gesund“ bezeichnen, die nicht mehr das Vermögen hat, sich selbst zu schützen, die unserer Hilfe bedarf um ihre biologischen Aufgaben zu erfüllen, die „abbaut“ und sterile Früchte liefert. Ein solches Geschöpf ist vielmehr schwer krank und es muss geheilt werden.
Die moderne Heilkunde kennt diesen Begriff „Heilung“ in dem Umfang, in dem wir ihn verstehen, nicht. Sie verabreicht Tabletten und Spritzen um Bakterien zu vergiften, sie beseitigt oft nur vorübergehend Schmerzen und Beschwerden, aber sie ergreift nicht die wirkliche Krankheit, die in den Zellen und im Organismus sitzt.
Wie kann man nun den Organismus heilen? Heilen kann man nur, indem man dem Organismus „lebendige Systeme“ anbietet, mit denen er sich, dh seine Zellen, selbst heilen kann. Man kann also dafür sorgen, dass ein Organismus die Möglichkeit hat, sich selbst zu heilen. Zu diesem Zweck braucht er nichts anderes als eine Sammlung lebender Systeme, die aus einem normalen und natürlichen Kreislauf Bodenpflanze stand. In der Humusschicht der Muttererde (Plasmagare) werden die lebendigen Systeme durch Pilz- und Bakterientätigkeit in sich steigernder, immer anspruchsvolleren Weise gereinigt, bearbeitet und vervollständigt. Funktioniert dieser Kreislauf nicht, ist eines dieser Glieder des Kreislaufes unbrauchbar, ist zum Beispiel der Boden krank, oder die Pflanze biologisch minderwertig, so hat kein Organismus mehr die Möglichkeit seine abgebrauchten lebenden Systeme auszutauschen, er muss dann ebenfalls krank werden. Wir haben uns vielleicht noch niemals so recht klargemacht, dass wir da das ursprünglichste und einzige Heilprinzip anwenden, dass die Natur kennt. Wir heilen mit Lebendigem und nur das Lebendige kann heilen. Und das ist in erster Linie die Heilnahrung, aus der natürlichen Pflanzenproduktion in richtiger Auswahl deren Wirkung man sehr gut durch natürliche Reize (Sonne, Licht, Luft, Wasser, Training) unterstützen kann, solche Heilnahrung vermag nur der biologische Landbau in seiner vollendeten Form hervorzubringen.

„Niemand von uns soll sich irre machen lassen, denn wenn es einen Ausweg aus der gegenwärtigen körperlichen, seelischen und geistigen Situation der Menschheit gibt, dann ist es der Weg, den wir zu gehen uns abmühen. Deshalb darf niemand von uns darin müde werden, denn wenn man einen Weg als menschliche Verpflichtung zu gehen erkannt hat, dann hat man auch die Pflicht, ihn zu gehen.“

34. Artikel Winter 1962

„Das Schicksal der lebenden Substanzen im Humus“ 

Das grundsätzlich neue und andere an der biologischen Auffassung von der Bodenfruchtbarkeit ist das Eingeständnis, dass es uns Menschen nicht möglich ist, den natürlichen Ablauf des Stoffwechsels zwischen Lebewesen, sei es bei Mensch, Tier, Pflanze oder Boden irgendwie künstlich nachzuahmen.

Eine willkürlich abgeänderte Zusammensetzung der Pflanzennahrung bekommt den Pflanzen nicht gut, sie werden anfällig und krank und diese Anfälligkeit geht nachher auch auf Menschen und Tiere über, die von solchen Pflanzen leben. Der bestmögliche Ablauf von Lebensvorgängen erfordert nicht einige Mineralstoffe oder Elemente sondern viele Dutzende, die man nicht willkürlich auswählen kann und bei denen zuweilen winzige Spurenstoffe wichtiger sind, als die sogenannten Kernnährstoffe.
Die Lebewesen des Bodens sind die ältesten auf der Erde, sie haben zuerst das Lebendige organisiert und damit das höhere Leben erst möglich gemacht. Sie sind auch heute noch die wahren Schöpfer des Lebens, weil sie genauso wie früher an der Schwelle zwischen mineralischer und lebender Substanz stehen. Es ist also wohlbegründet, wenn wir verlangen, der Bauer müsse die Bildung der Fruchtbarkeit seines Bodens den Lebensvorgängen überlassen und dürfe sich nicht mithilfe „pflanzenverfügbarer Dünger“ in diese Vorgänge einmischen.
Einer der wichtigsten Vorgänge ist die Handhabung der organischen Dünger als Förderer der Lebensabläufe im Boden.
So ist die Bildung der Lebendverbauung erstmals von Sekera beschrieben, die alljährlich neu entstehende mikrobielle Gare = Zellgare, nur mit frischem, organischem Abfallsmaterial möglich, oben draufgelegt als Flächenkompost.
Die von der Lebendverbauung zurückbleibende lebende Substanz wird im Boden gespeichert, indem sich die Großmoleküle mittels bestimmter Ionen (Ca, K, Mg) an die Huminstoffe und Tonkristalle anlagern und so einen Humusvorrat bilden. (Plasmagare oder makromolekulare Gare)

Von großer Bedeutung für die Pflanzennahrung ist die Qualität des organischen Düngers, je abwechslungsreicher dieser ist, umso wertvoller das Bodenprodukt; Stallmist, Gründüngung, Urgesteinsmehl, Horn- und Knochenmehl. Die Ernährung des Bodens soll mäßig, aber vielseitig sein, dies ist eines der Geheimnisse der echten Humuswirtschaft.
Die Lebensprozesse ausgelöst durch die Garebildung sollen ungestört ablaufen dürfen, daher Einschränkung der Bodenbearbeitung auf das notwendigste. Die Güte der Nahrung für Mensch und Tier hängt ganz allein vom Schicksal der lebenden Substanzen ab und was darin der Boden leistet entscheidet über unser Schicksal.

33. Artikel Herbst 1962

„Wuchsstoffe“

„Die Natur kennt eine ungeheuer große Zahl von Wuchsstoffen. Es handelt sich dabei um komplizierte Moleküle (Atomverbindungen), die in das Gebiet der Vitamine, Hormone und Enzyme gehören und die jeweils von bestimmten Geweben, Zellen und lebenden Zellsubstanzen produziert werden.
Wuchsstoffe sind keine Nährstoffe, sondern gehören in das riesige Gebiet der Wirkstoffe, ja, man kann sagen, dass in gewisser Hinsicht jeder Wirkstoff in der Natur auch ein Wuchsstoff ist.
Solche Stoffe sind dazu da, die Nährstoffe zu bewegen, zur Reaktion zu veranlassen, den Stoffwechsel in Gang zu bringen und in Gang zu halten, Zellteilungen und Zellvermehrungen zu veranlassen und vieles andere mehr, was zu den Lebenstätigkeiten von Organismen gehört: Sie sind sog. Biokatalysatoren, dh Stoffe, welche die großen und kleinen Stoffumsetzungen bewirken, ohne eigentlich selbst daran teilzunehmen – sie veranlassen die Umsetzungen sogar meist, ohne selbst dabei verändert oder verbraucht zu werden, und ihre Tätigkeit kann meist nur von Gegenwuchsstoffen gebremst werden. Biokatalysatoren treten auch nicht in Massen auf wie etwa die Mineralstoffe (Nährstoffe im chemischen Sinne), sondern in winzig kleinen Mengen, manchmal in millionen-fachen Verdünnungen. Sie sind, kann man sagen, in kleinsten Mengen ungeheuer wirksam.“

Jedes Lebewesen wächst in der Natur nach einem genauen Bau- und Wachstumsplan der für jeden Organismus von Geburt an festliegt heran. Beim Einsatz von zusätzlichen Wuchsstoffen, würde dieser Plan vollständig über den Haufen geworfen, es entstehen groteske, entartete Pflanzen, wie zahlreiche Versuchsreihen von Versuchsstationen und Industrielabors zeigen. Eine Dosierung ist nicht möglich. Mit winzigen Mengen eines einzigen Wuchsstoffes kann man ganze Lebensgemeinschaften in Unordnung bringen. Versuche, mittels Wuchsstoffen das Wachstum zu beeinflussen ist nichts anderes als die allergefährlichste Form einer Kunstdüngung.
„Lassen wir die Finger von Wuchsstoffen, ob es nun wirklich welche sind oder ob sie nur so genannt werden von denen, die sie verkaufen wollen. Die Leichtfertigkeit in technischen und chemischen Dingen hat die Menschheit an den Rand eines Abgrundes geführt, und noch kann niemand sagen, ob sie nicht darin umkommt. Wir bleiben besser bei unseren alten, einfachen, biologischen Grundsätzen :
Gesundheit und Heilung schafft nur die Ordnung der Natur selbst, die natürlichen Kräfte, die von selbst entstehen, wenn wir dem Lebendigen bieten, wessen es bedarf. Es muss unser geheiligter Grundsatz bleiben: Nichts zu tun, was den natürlichen Ablauf der Lebensvorgänge stören könnte.“

32. Artikel Sommer 1962

„Die Bedeutung des Ton im Boden“

Bakteriengare oder Zellgare (die Mikrobenzellen lassen sich im Labor auszählen) durch Lebendverbauung von Sekera zuerst beschrieben: die tote Mineralsubstanz der Oberschicht wird durch Bakterienkolonien lebend verbaut, dadurch Luftzutritt und Gasaustausch auch für die tieferen Bodenschichten. Diese Gare ist jedoch vergänglich, mangelt es dem Bodenleben an Nahrung, hört die Lebendverbauung auf und die Krümelbeständigkeit schwindet. Daher ist Sorge zu tragen, diese Bakteriengare, die wegen der Bodenbelüftung und der Aufnahme der Niederschläge unverzichtbar zu erhalten durch öfteres Füttern des Bodens (Bodenbedeckung und Flächenkompostierung).
Plasmagare: sie ist im Gegensatz zur Lebendverbauung beständig; hier beginnt der Ton seine Rolle zu spielen. Die Voraussetzungen für eine Fruchtbarkeit der Erdoberfläche waren die Verwitterung des Gesteins, seine Aufspaltung, Zerkleinerung bis zu einer körnig-mehligen Oberschicht durch Urstürme, Vulkanausbrüche, Wolkenbrüche, durch Frost und Wasser. Im Laufe dieser Verwitterungsvorgänge entsteht auch der Ton. Der Hauptbestandteil aller Gesteine ist die Kieselsäure in Form von Silikaten, aus ihnen entsteht der Ton als Verwitterungsprodukt, nicht durch einen chemischen, sondern einen physikalischen Abbau; er ist also eine physikalische Struktur mit den Silikaten als echte Kristalle, diese werden durch die Verwitterung zerkleinert bis zum Ton-Kristall, welches allein die Fähigkeit besitzt als Mineral in inniger Beziehung zur lebendigen Substanz zu treten und damit die allererste und wichtigste Voraussetzung zur Fruchtbarkeit zu bilden.
Der Kristall ist die mineralische Ordnungskraft der Mutter Erde, die Tonkristalle sind daher Ordnungsgefüge. Die lebenden Substanzen sind ebenfalls Ordnungsgefüge, diesmal lebendige. Sie sind aperiodische Kristalle (Leben), im Gegensatz zu den periodischen Mineralkristallen. Die Kräfte der Tonkristalle und die Kristalle der Lebendsubstanz begegnen sich im Boden, umarmen einander und gehen jene „Ehe“ zwischen mineralischer und lebendiger Substanz ein, die der wirkliche Urgrund der natürlichen und dauerhaften Fruchtbarkeit ist. Hier begegnen sich die Ordnungen aus dem lebendigen und dem toten Bereich der Stoffe.
Wir sprechen diese Wahrheit hier zum ersten Mal aus. (Sie wird hier erstmalig exakt definiert, Hennig) Sie ist in der landwirtschaftlichen Lehre noch nicht bekannt. Genauso hat man den ungeheuren, lebhaften Kreislauf der lebenden Substanzen im Boden bis jetzt ganz übersehen und nicht für möglich gehalten und doch ist er die Voraussetzung wahrer Fruchtbarkeit.
Der Ton ist also die mineralische Grundlage der Bodenfruchtbarkeit. Ohne ihn wäre der Kreislauf der lebendigen Substanz über den Boden gar nicht möglich, jedenfalls nicht in einer Form, die uns den Kulturanbau von Nahrungspflanzen erlauben würde. Das sicherste Mittel die Tonkristalle heil zu erhalten ist die organische Düngung, die Humuswirtschaft. Synthetische Düngesalze zerkleinern das Tonkristall und machen es wertlos. Der Tonkristall ist also das mineralische Gegenstück der Ordnungsgefüge lebender Substanzen. Es ist gut von diesem Geheimnis zu wissen.

31. Artikel Frühjahr 1962

„Der Stand unseres Wissens über die Ernährung der Pflanzen (Ein Blick auf den gesundheitlichen Wert der Nahrung)“

Als ich vor langer Zeit mit Bodenstudien begann, war dies die einzige Frage, die mir gestellt war: was muss im Boden vorgehen, wenn er fruchtbar sein soll, und was muss in ihm vorgehen, wenn er gesunden Pflanzenwuchs produzieren soll?

Welche Maßnahmen sind imstande hier Aufschluss zu geben?

1. Rusch-Test, der in der Lage ist sowohl die Fruchtbarkeit als auch die biologische Güte eines Bodens zu bestimmen (wurde später vielfach kritisiert und findet wenig mehr Verwendung)

2. Der Regenwurmbesatz eines Bodens; der Regenwurm zeigt hauptsächlich an, wieviel organische Substanz herangebracht wurde und in noch unzersetzter Form vorhanden ist

3. Die Beobachtung der „schönen Gare“ oder des „garen Bodens“, wenn ein schwerer Boden als gar imponiert oder ein hängiger Boden nicht abschwemmt

4. Der zuverlässigste Test für den Boden ist die Pflanze: wenn an der Pflanzung etwas fehlt, so fehlt es am Boden. Eine Ausnahme ist das zögerliche Einsetzen des Frühjahrswachstums ehe die Bodenwärme einsetzt; dieses aber ist natürlich und darf nicht gestört werden durch Treibdünger.

5. Ein sehr zuverlässiger Test ist die gesundheitliche Entwicklung der Nutztiere, insbesondere des Milchviehs. Wo Krankheit auftritt, stimmt im Allgemeinen am Boden noch etwas nicht; gesunder Boden garantiert einen gesunden Stall.

Nun stellt sich die Frage, um die es hier geht: Was lehrt uns das biologische Denken, die biologischen Teste und die Erfahrung bezüglich der Ernährung der Pflanzen, wenn sie eine vollkommene Nahrung für Mensch und Tier sein sollen?

1. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf jeden künstlichen Treibdünger konsequent verzichten, da jede wirksame Kunstdüngung, das heißt, eine die sich lohnt vom ersten Tag ab, ihr Zerstörungswerk am biologischen Gefüge der Organismen „Pflanze und Boden“ beginnt. Kunstdünger sind der synthetische Stickstoff und die künstlichen Düngesalze; sie werden der wachsenden Pflanze – ohne die Mitwirkung des Bodens – aufgezwungen, indem sie die „Barrieren“ der Boden- und Wurzelflora durchbrechen und mit dem ständig einströmenden Wasser gelöst in die Pflanze hineingepumpt werden. Die Pflanze muss nun sehen, was sie mit diesen Salzen anfängt; sie muss sie, da sie sie nicht wieder loswerden kann, „verbauen“, das heißt in ihrem Gewebe so verteilen, dass sie nicht mehr als unnatürliche „Stoffwechselfehler“ wirken und sie gefährden können – die Pflanze muss wachsen, ob sie will oder nicht. Also produziert sie plötzliches, unplanmäßiges Wachstum, reißt allen verfügbaren Humus an sich, aktiviert überstürzt die Chlorophyllbildung (das heißt sie wird rasch dunkelgrün), um genug Nährstoffe zu übereiltem Bau zur Verfügung zu haben und bekommt einen stark künstlich überhöhten Stoffwechsel („fiebernde Pflanzen“, Aaland). Damit ist die Harmonie der Wechselbeziehung zwischen Boden und Pflanze, die Grundlage für den gesunden, natürlichen Pflanzenwuchs, beseitigt; die Pflanze beginnt den Raubbau am Bodengefüge, am Humusvorrat, und nach kürzerer oder längerer Zeit ist nicht nur das Erbgut und das Abwehrsystem der Pflanze verdorben, sondern auch der „Organismus Mutterboden“.

2. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf chemische Gifte im Landbau vollkommen verzichten lernen, denn die Anwendung von giftigen Spritz- und Stäubemitteln (Pflanzenschutzmitteln) gegen Krankheit und Schädling beseitigt alsbald die biologische Qualität des Bodens.

3. Dünger und Düngung müssen so gelenkt werden, dass das höchstmögliche Ergebnis bezüglich der Lebenskraft der Böden und ihrer Qualität dabei herauskommt. Wirtschaftsdünger, Grünkompost, Güllen und Jauchen müssen durch eine Rotte mit Luftzutritt um nicht in der Fäulnis ohne Luftzutritt Gifte zu erzeugen. Neben der Haufenkompostierung, Entwicklung der Oberflächenkompostierung bei der die Humifizierung nachgeahmt wird wie sie in der Natur vor sich geht, und dieses Verfahren ist auf jeden Fall das Richtige.

4. Außerordentlich wichtig für die Frage der biologischen Boden- und Pflanzenqualität ist die Bodenbearbeitung selbst. Die Humusbildung im Boden geht in Schichten vor, von denen jede ihre eigenen Spezial-Bakterien und –kleintiere besitzt. Ein Umstürzen des Mutterbodens bringt diese verschiedensten Lebensvorgänge so durcheinander, dass die regelrechte Humusbildung sehr behindert wird.

5. An der Humusbildung sind auch bestimmte Pflanzen vorzüglich beteiligt, wie Klee, Leguminosen und Gras, die in Form von Gründüngung sehr viel zur Produktion gesunder Nahrung beitragen.

6. Ein großer Fehler ist das Unterbringen unreifer und halbreifer organischer Dünger in den Boden. Jedes tiefere Einarbeiten (unterhalb 5cm), insbesondere das Unterpflügen auch des frischen und halbreifen Stallmistes oder der Gründüngung ist ein Frefel am Boden und am Dünger zugleich. Die Humusbildung läuft ganz falsch ab, es bilden sich Torfe und Fäulnisgifte.

7. Bodendecken als Schutz gegen Licht, gegen Austrocknung, gegen zu starke Abkühlung oder Erwärmung, Schutz für die Bodentiere sind von großer Bedeutung und gehören zur Humuswirtschaft wie die Flächenkompostierung und die Gründüngung, auch das macht uns die Natur vor. Die Bodendecken sind dünn aufzutragen, Mitschleier!! Das ihre Rotte durch Luftzutritt nicht gehindert wird.

8. Die Mineralfrage: ein stets lebendig gehaltener Boden braucht nur sehr geringe Mengen an Mineralsalz. Der Pflanzenwuchs und die Pflanzengesundheit sind nur dann vollkommen und biologisch, wenn die Pflanze ihre Mineralstoffe aus den Lebensvorgängen des Bodens, das heißt in Form organischer Moleküle und Molekülteile in sich aufnehmen kann und nicht in Form anorganischer Mineralien. Es kommen daher nur Mineraldünger in Frage, die vom Bodenleben zunächst aufgeschlossen werden müssen, so dass sie ganz genau den Bedürfnissen der lebenden Pflanzengewebe entsprechen, wie Urgesteinsmehl mit seinen zahlreichen Spurenstoff-Vorräten, Rohphosphat, Kalkmergel, andere Kalksteinmehle, sowie siliziumhaltige Lehme und Tone (Bentonit).

 

Gedanken über die Düngung im biologischen Landbau: Man muss sich radikal von den chemischen Vorstellungen frei, dass eine Düngung gut sei, wenn man ihre Wirkung alsbald zu sehen bekommt, das eine Düngung nur gut ist, wenn sie unmittelbar die Erträge steigert.

Die wahre biologische Düngung wirkt niemals direkt! Ein Boden, dem auch eine stark-zerrende Hackfrucht nichts anhaben kann, weil er einen hohen Humusvorrat hat, entsteht in 3 Jahren, nicht in Monaten oder gar Wochen, die echte Humuswirtschaft will erreichen, dass der Boden immer und zu aller Zeit hohe Testwerte hat, ganz gleich, ob darauf Gründüngung, Getreide, Futter oder Hackfrucht wächst.

Der beste biologische Bauer ist der, welcher alljährlich das Bodenleben gleichmäßig organisch ernährt.

So haben wir jetzt schon ein fest umrissenes Programm im biologischen Landbau praktisch erprobt, wissenschaftlich untermauert und immer nur auf das hohe Ziel gerichtet: Gesundheit zu schaffen für die Mitmenschen, die von unseren Früchten leben. Denn sehr viel mehr, als man bisher gewusst hat, hängt das gesundheitliche Schicksal der Menschen vom Landbau ab.

30. Artikel Winter 1961

 „Die makromolekulare Stufe des Lebendigen“

Früher betrachtete man als kleinste Einheit des Lebens die Zelle, hier begann für die naturwissenschaftlichen Vorstellungen das Leben, darunter gab es nur mineralisierte Substanz, das heißt die Elemente und ihre Verbindungen, zum Beispiel die Salze.
Es wurde eine totale Mineralisation der lebenden Organismen (Pflanze, Tier, Mensch) bei ihrem Absterben bezüglich aller ihrer Stoffe angenommen, verbunden mit der Annahme, dass jeder Organismus die lebendigen Substanzen, die er in sich trägt, wieder von vorne neu aufbauen muss.
Diese letztere Annahme trifft nun nicht zu, die Mineralisation geht zwar tatsächlich vor sich, betrifft aber nicht alle Stoffe.
Die Forschung ist in den letzten beiden Jahrzehnten auf verschiedenen Wegen tief in das Niemandsland zwischen lebendiger und lebloser Substanz eingedrungen und hat dabei überraschende Feststellungen gemacht, die das naturwissenschaftliche Weltbild teilweise total zu verändern beginnen. Daran ist die Makromolekularchemie und Biophysik ebenso beteiligt, wie die Erbforschung, die Virusforschung und die Biologie allgemein. Jeder dieser Wissenszweige hat, teilweise ganz unabhängig voneinander, nachgewiesen, dass es zwischen der lebendigen Zelle und den unlebendigen Kleinsubstanzen eine Riesenzahl von Großmolekülen, das heißt von lebenden Substanzen gibt, die in den verschiedensten Formen bei einer Auflösung lebender Zellen, also beim Tod der Zelle als Lebenseinheit nicht auseinanderfallen. Auch nicht bei den Verdauungsprozessen, sondern erhalten bleiben: Unser „Gesetz von der Erhaltung der lebendigen Substanz“ und der Kreislauf lebendiger Substanzen als wesentlichster Teil der Nahrungskreisläufe wird damit ganz allmählich Stück für Stück bewiesen.
Die Zelle ist demnach als kleinste Lebenseinheit entthront, es gibt unterhalb der Zelle bereits alles das, was man „Leben“ nennt. Zwischen den Kleinsubstanzen, zu denen nicht nur die Mineralsalze, sondern auch die Vitamine, Enzyme, Hormone, Kohlehydrate und Eiweißbausteine zu rechnen sind und den „großen Zellen“, gibt es einen ausgedehnten Lebensbereich, den wir die „makromolekulare Stufe des Lebens“ nennen. Wie ist sie beschaffen, und welche Bedeutung hat sie für die Erhaltung und Fortpflanzung der lebendigen Organismen? Ein makromolekulares Großmolekül ist aufgebaut aus Atomen, geordnet in besonderer Weise. Je weniger Atome in einem Molekül vorhanden sind, desto fester ist die Aneinanderbindung. Je größer die Anzahl der Atome ist, desto schwieriger wird das Problem der Bindung, desto wandelbarer und unbeständiger sind die Moleküle, sie sind labil, reagieren auf jede Veränderung und besitzen infolgedessen die besondere Eigenschaft der Lebendigkeit. Ohne diese Lebendigkeit, ohne die Fähigkeit auf Umwelteinflüsse zu reagieren, gäbe es kein Leben. Aber gerade wegen dieser Labilität, wegen der Veränderlichkeit und Empfindlichkeit ist es äußerst schwierig sie zu untersuchen und ihr Verhalten zu studieren. Man kann sie nur indirekt studieren, indem man ihre Wirkungen in ungestörten Lebensvorgängen studiert. Solche Studien werden in hunderten Laboratorien der ganzen Welt durchgeführt, dabei wurden erstaunliche Neuigkeiten zu Tage gefördert.
So sind gewisse Großmoleküle nicht so empfindlich wie die Masse und diese sind die allerwichtigsten lebenden Substanzen, nämlich die Erbsubstanzen.
Eine der wichtigsten Eigenschaft der lebendigen Großmoleküle ist die Fähigkeit, sich selbst zu verdoppeln, das heißt, sie können sich selbst vermehren, was innerhalb von Zellen, also im Schutz einer bereits höheren Form des Lebendigen, vor sich geht. Bei der Fähigkeit der Selbstvermehrung von Großmolekülen handelt es sich um eine „Urfunktion“ ohne die es Fruchtbarkeit und Fortpflanzung nicht gibt.
Bei der Teilung von Erbsubstanzen in kleinste Scheibchen durch einzelne Röntgenstrahlen konnte festgestellt werden, dass man sie weder abtöten konnte, noch ihnen ihre Erbeigenschaften nehmen.
Bei diesen so gewonnenen Erkenntnissen ist naheliegend, dass diese Grundformen der lebenden Substanzen erstens sehr widerstandsfähig sein müssen, zB bei Kälte und Hitze in der freien Natur zu überleben verstehen, zweitens dass es Organismen besonders Pflanzen keine Schwierigkeiten macht, diese relativ kleinen Lebendsubstanzen aufzunehmen. Und drittens, dass bei der Umformung organischer Substanz, wie tierische Verdauung oder Humusbildung, das massenmäßig Meiste der lebenden Substanz mineralisiert werden kann, ohne dass die selbe restlos zerstört werden müsste.
Ein kleiner Teil genügt, um immer noch die lebendigen Eigenschaften zu retten.
Die wichtigste Frage, die uns auf der makromolekularen Stufe des Lebens begegnet: Bauen sich die Lebewesen bei der Pflanze beginnend, wie die heutige Lehrmeinung behauptet, nur und ausschließlich aus Nahrung in mineralischer Kleinform auf und es gibt keinen Kreislauf der lebenden Substanzen. Dagegen sprechen zahlreiche Beispiele, dass lebende Großmoleküle wie die Mikrosomen und die Erbsubstanzen sehr wohl von den Zellen bereitwillig aufgenommen werden, zu denen sie passen.
Die Forschung auf der makromolekularen Stufe des Lebens kommt unseren wissenschaftlichen und landbaulichen Grundsätzen, die wir in der Praxis und im Laboratorium seit langer Zeit betätigen, heute Schritt für Schritt näher. Was an unseren Überzeugungen bisher nicht schlüssig bewiesen war, wird zur Zeit und in nächster Zukunft bis ins Letzte bewiesen sein. Dann wird es nicht mehr so schwer sein, die Folgerungen zu ziehen.
Immerhin aber ist es notwendig, dass es Menschen gibt, die sich nicht scheuen, schwankenden Boden eines Niemandslandes zu betreten, wenn es um die wichtigste Frage geht, die uns Menschen gestellt ist, die Frage nämlich, wie wir es anstellen müssen, damit die Menschheit gesund und glücklich wird. Mit dem Landbau fängt es an, der Mutterboden schafft unser Schicksal, das war und bleibt unser oberster Grundsatz. Wenn uns nun die Wissenschaft in das Niemandsland nachfolgt, das wir mutig betreten haben, so wollen wir auch ihr dafür dankbar sein.

28. Artikel Winter 1960, Frühjahr und Sommer 61

„Der Stand unseres Wissens über die Ernährung der Pflanze im Blick auf ihren gesundheitlichen Wert als Nahrung für Tier und Mensch“

Die Entwicklung der Wissenschaft in den letzten 100 Jahren Der menschliche Geist ist in den letzten hundert Jahren andere Wege gegangen als jemals früher in der Geschichte der Menschheit. Der Unterschied im wissenschaftlichen und praktischen Denken von einst und jetzt ist so entscheidend wichtig, dass man anders die gegenwärtige Zeit in ihrem Ringen um die menschlichen Probleme nicht verstehen kann. Wer die Wahrheit sucht, muss denken können.
Denken aber heißt, sich über die Vielfalt des alltäglichen erheben und nach dem Gemeinsamen der natürlichen Vielfalt suchen, nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Goethe).
Grundsätzlich kann man zweierlei Wege gehen, um die Wahrheiten zu erforschen und Naturgesetze aufzudecken: Man kann die Dinge zerlegen in ihre Einzelteile, um sie einzeln zu erkennen, in Gedanken wieder zusammenzufügen und sich ein Bild vom Ganzen zu machen; man kann umgekehrt versuchen, in Gedanken das Ganze und seine Grundgesetze zu erkennen, um von hier aus, gewissermaßen von oben herab, das Geschehen im einzelnen zu erklären und zu deuten.
Der Mensch und seine Wissenschaften sind seit jeher beide Wege gegangen. Man hat immer versucht, tiefer ins einzelne zu dringen, um das Ganze erkennen zu können, und man hat immer auch versucht, vom Ganzen aus dieses einzelne zu deuten und einzuordnen. Beides ist echte Wissenschaft, denn beides dient gleichermaßen der Naturerkenntnis, es ergänzt sich; wo die eine Denkmethode versagt, da vermag die andere weiterzuhelfen. Und beides zusammen ist erst exakt, zuverlässig und wohlfundiert.
Man hat sich heute angewöhnt, die eine Methode, nämlich die, welche zerlegt um zu forschen, die analytische (auflösende) Methode zu nennen, ihr Denken das kausal-analytische Denken. Und zur Zeit behaupten ihre typischen Vertreter, sie allein betrieben exakte Naturwissenschaft. Das Gegenteil, nämlich das synthetische und biologische Denken, welches vom Ganzen ausgeht, um das einzelne zu deuten, wird in den Bereich der Philosophie verwiesen und gilt fast allgemein als unwissenschaftlich. Wie ist es dazu gekommen? Die Erfindungen des 19. Jahrhunderts haben etwas grundsätzlich Neues gebracht: Der forschende Blick in das einzelne, in die Einzelteile ist plötzlich ungeheuer geschärft worden. Man hat das Mikroskop erfunden und es bis zum Elektronenmikroskop entwickelt, das Vergrößerungen bis zum 500 000-fachen und mehr erlaubt. Man hat die Röntgenstrahlen entdeckt, die das Unsichtbare sichtbar machen können. Man hat die chemische Analyse entwickelt und damit der analytischen Forschung ein weiteres Feld eröffnet, und die Physik begab sich erfolgreich ins Gebiet des Allerkleinsten, um die wirkenden Kräfte zu erkennen.
Diese Fortschritte haben unser gegenwärtiges Leben gestaltet. Man hat Einblicke in das einzelne bekommen, von denen man sich vor 200 Jahren noch nichts hat träumen lassen, und man hat dieses ganz neue, unerhört umfangreiche Wissen vom einzelnen gebrauchen können, um eine Zivilisation zu schaffen, wie sie vorher nicht denkbar war.
Diese Fortschritte haben unser gegenwärtiges Leben gestaltet. Man hat Einblicke in das einzelne bekommen, von denen man sich vor 200 Jahren noch nichts hat träumen lassen, und man hat dieses ganz neue, unerhört umfangreiche Wissen vom einzelnen gebrauchen können, um eine Zivilisation zu schaffen, wie sie vorher nicht denkbar war.
Es darf uns nicht wundern, wenn darüber der Blick auf das Ganze verloren gegangen ist. Die Gefahr ist zu groß, als dass man ihr hätte entgehen können. Die neuen Forschungsmethoden haben so viel Neues gebracht, dass man zunächst alle Hände voll zu tun hatte. Die einzelnen Wissensgebiete haben sich so erweitert, dass es unmöglich geworden ist, alles zu wissen: Der Spezialist wurde geboren und übernahm die Herrschaft, der Universalist wurde verdrängt; es gibt heute niemanden mehr, der behaupten könnte, er wisse alles.
Das ist aber nötig, wenn man die Natur im Ganzen deuten will.
Die biologischen Zusammenhänge zwischen allem Lebendigen, vom Mutterboden bis zum Menschen hin, klarzumachen und alles menschliche Tun in diesen großen Rahmen zu stellen, dazu bedarf es der Ganzheitsschau und der Ganzheitsforschung.
Die Nahrungspflanze ist, was ihren gesundheitlichen Wert betrifft, nur vollkommen, wenn sie Gesundheit vermittelt und gesund erhält. Gesund ist nur das, was erbgesund ist und imstande anderen Lebewesen Gesundheit zu schenken. Dafür aber gibt es keine analytischen Teste, sondern nur einen einzigen gültigen Test, die reale Wirklichkeit.
Das heute in der Wissenschaft herrschende Spezialistentum steht einer echten Ganzheitsschau im Weg. Der Spezialist darf dabei nur Hilfsperson sein, der mit seiner Erkenntnis (er nennt das gesichertes Wissen) imstande ist, ein Steinchen in das Mosaik des Ganzen zu stellen, aber nicht verlangt, von seiner Erkenntnis Schlüsse über das Ganze zu ziehen, dem falsche Maßnahmen folgen müssen. Er kann nicht mehr sein als Teil des Ganzen.
Es ist eine Kette: Mensch – Tier – Pflanze – Mikrobien – Mutterboden – Agrikultur. Alle ihre Glieder müssen im Suchen nach der Wahrheit einbezogen werden, wenn wir über die menschliche Ernährung forschen, die ja die menschliche Gesundheit großteils erbringen soll. Was ist menschliche Gesundheit: mit den eigenen geistig-seelischen, wie körperlichen Kräften, „den Kampf ums Dasein“ bestehen, ohne wesentliche fremde Hilfe, ohne künstlichen Schutz.
Es genügt nicht, wenn, wie es der heutigen Meinung entspricht, die Nahrung aus gewissen Kern- und Ergänzungsstoffen (Eiweiß, Kohlehydraten, Fetten, Mineralien, Vitaminen, Enzymen, Hormonen und Spurenelemente) besteht, nachdem nachgewiesenermaßen insbesondere die Angehörigen der Industrienationen, denen all diese Nahrungsstoffe reichlich zur Verfügung stehen, keineswegs gesund sind; im Gegenteil, immer mehr und häufiger mit Krankheiten aller Art behaftet sind.
Die neuesten Forschungen jedoch betreffen die lebendige Substanz, dh die lebende Zellsubstanz und die Erbsubstanz, die durch die Nahrung Eingang finden in die Zellen des Organismus. Diese Nachweise sind heute so viele, dass wir sie hier nicht mehr aufzählen können.
Sie wandern aus dem Dünger auf den Mutterboden, aus dem Mutterboden in die Pflanze und aus den Pflanzen in die tierischen Organismen und übertragen damit Gesundheit oder Krankheit. So haben wir erwiesen, dass man mit den schweren Problemen im Landbau erst fertig wird, wenn man sich von den Nährstoff-Vorstellungen der Chemiker freimacht und alle seine Kultur-Handlungen unter die Direktion der lebendigen Substanz stellt.
Es kommt weiters auch viel weniger darauf an, wie eine Ernährung gehandhabt und zusammengestellt wird, es kommt vielmehr darauf an, wo die Nahrung gewachsen und geworden ist.
Sie kann echte Gesundheit nur vermittelt, wenn sie aus gesunden Lebensvorgängen und gesunden Organismen kommt.
Wenn wir dies erfüllen, können wir den hohen Forderungen gerecht werden, die die Menschheit an ihren Landbau stellen darf.
„Du musst mir nicht nur Nährstoffe liefern, sondern vollkommene Nahrung“, in diesen Worten ist alles enthalten, was für den zukünftigen Landbau maßgebend ist.
Wir haben uns seit 12 Jahren konsequent bemüht, eine Heilkunde, eine Ernährungslehre und eine Düngelehre zu entwickeln, die sich ganz bewusst der lebenden Substanzen bedient und jede Handlung unter ihre Direktion stellt. Wenn die lebenden Substanzen mit zu einer vollkommenen Nahrung gehören, dann ist die vollkommene Nahrung nicht nur eine Summe von Nährstoffen chemischer Natur, sondern eine lebendige Einheit, die sich bisher nur als Ganzes betrachten lässt, weil die chemische Struktur lebender Substanzen noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.
Die synthetischen Dünger, Mineralsalze N Ca K P Mg, Spurenstoffe stellen eine nicht organische Pflanzennahrung dar und verursachen den Abbau der Bodenstruktur, Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit, und Verlust der Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge. Die Dosierung dieser Düngesalze stößt auf Schwierigkeiten und verursacht Schädigungen im Bodenleben, da jede Dosierung problematisch ist, weil nicht genau den Bedürfnissen entsprechend errechenbar.
Im Reich des lebendigen gibt es überhaupt nur Dinge, die alles miteinander zu tun haben, dieses Reich ist ein unteilbares Ganzes und wer den Boden verdirbt, der verdirbt die Pflanzen, die Tiere und sich selbst. Das ist keine Philosophie, sondern die einzig mögliche Schlussfolgerung aus allen bisher bekannten biologischen Tatsachen.
Der Schöpfer der Natur selbst hat dafür gesorgt, dass sich kein Lebewesen auf der Erde zum Diktator des anderen machen kann. Auch der Mensch kann bei all seinem technischen Können, nur leben und erbgesund bleiben, wenn die ganze übrige Natur, die ihm das Leben immer wieder erneuert, lebt und gesund ist. Dafür sorgt – und das ist das entscheidende – der Kreislauf der lebenden Substanzen.
Wer den Mutterboden krank macht, bekommt auf die Dauer nur noch kranke Kulturpflanzen und wer von kranken Kulturpflanzen lebt, wird auf die Dauer genauso krank wie sie. Die ganze Zukunft der Menschheit hängt also – mehr als von allem anderen – von der Ernährung ab.
Auch der Pflanze wird Gesundheit über ihre Nahrung vermittelt und letzten Endes ist also die Frage nach dem biologischen Wert einer Nahrung eine Frage nach der Ernährung der Pflanze und nichts anderes. Und damit konzentriert sich die Frage auf den Mutterboden.

27. Artikel Herbst 1960

„Keine Nahrung ist gesünder als der Boden auf dem sie wächst“

Wenn die Frucht auf dem Halm steht und die Kartoffeln blühen, dann vergisst man allzuleicht, dass diese Pracht, dieser Gottessegen buchstäblich aus Erde gemacht ist, wie es vom ersten Menschen geschrieben steht. Wir sagen Muttererde, denn die Erde ist wirklich die Mutter alles Lebendigen.
Die Versuche der Wissenschaft, die Geheimnisse der Natur und des Pflanzenwachstums nachzuahmen, um damit Weltnahrungssorgen zu beenden, sind zahlreich, waren jedoch zum Scheitern verurteilt, so wie jüngst, da zwar die synthetische Darstellung des Chlorophylls, des grünen Pflanzenfarbstoffes gelang, es sich jedoch zeigte, dass es unfähig war, Kohlehydrate herzustellen.
Das natürliche Chlorophyll ist jedoch dazu imstande, allerdings nur zusammen mit den viel komplizierteren Chloroplasten, den Lebensstoffen aus dem Humus.
Nun gibt es im Boden aber eine Unzahl von Sorten lebender Substanzen (man hat bisher 1050 errechnet, mit deren Hilfe alle lebenden Organismen vom kleinsten Insekt bis zum Urwaldbaum, vom Bakterium bis zum Menschen, aufgebaut werden, ein gewaltiger Lebensstrom, der durch alle Lebewesen hindurch geht und ihr Leben überhaupt erst möglich macht, ohne ihn gäbe es kein Leben, nur Krankheit und Tod.
Dieser Lebensstrom, der aus dem Boden kommend, über Pflanze, Tier und Mensch, über deren Abfallprodukte wieder zum Boden zurückkehrt, wobei der Hauptträger auf den Kulturböden, die organischen Dünger aller Art sind.
Was ist nun Gesundheit des Bodens? Das ist selbstverständlich sein physikalischer Zustand (Gare, Belüftung, Wasserbindefähigkeit, Lebendverbauung, Grundwasserstand, Nährstoffgehalt) in erster Linie jedoch sein Gehalt an lebender Substanz in den verschiedensten Sorten, wie sie gebraucht werden. Wenn nun die Pflanze gesund ist, so war es der Boden. Die Pflanze ist der einzig gültige Test für die Bodenqualität (so sagt es auch Andre Voisin) und ist der Mensch gesund, so war es die Pflanze und so geht es weiter in der Kette der Lebensvorgänge, darum ist keine Nahrung gesünder als der Boden auf dem sie wächst! Wenn man von Gesundheit spricht, so ist das eine sehr schwere Forderung, die nicht leicht zu erfüllen ist, am wenigsten in der freien Natur: Es ist nur das gesund, was sich selbst zu behaupten und sich selbst fortzupflanzen vermag, was auch ohne jeden günstigen Schutz lebensfähig ist. Diese Gesundheit kann man nicht in Ziffern ausdrücken, man kann sie nicht messen, man kann nur feststellen dass sie da ist oder das sie fehlt. Mutter Erde und Gesundheit ist ein und dasselbe.