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47. Artikel Herbst 1966

„Das höchste Gut ist die Gesundheit“

Dr. Hans Peter Müller zum 75. Geburtstag

Wir Menschen von heute erleben eine Zeit der Wandlungen. Alte Begriffe verschwinden, neue gestalten sich, auch die Gesetze der Gesundheit sind einer Wandlung unterworfen. Gesundheit war früher eigentlich nur das Freisein von Krankheit.

Die zunehmende Zivilisation hat nun allmählich Zustände mit sich gebracht, die offensichtlich großen Einfluss auf die sogenannte Grundgesundheit haben. Es lässt sich nicht mehr abstreiten, dass diese sogenannten Zivilisationskrankheiten zugenommen haben und weiter zunehmen.

Die Gesetze der Gesundheit von denen die frühere Medizin wenig wusste, treten immer mehr in den Vordergrund und ergeben folgendes Bild:

  1. Gesundheit ist biologische Ordnung: im Falle des Menschen ist es die Ordnung in der Zusammenarbeit sämtlicher Zellen und Gewebe.
  2. Gesundheit ist vorbildliche Funktion einer jeden Zelle im Zellenstaat „Mensch“. Ein Mensch ist nur so gesund, wie alle seine Zellen.

 

Beide Ordnungen sind voneinander abhängig: wenn auch nur ein einziger Zellverband seine Pflicht nicht erfüllen kann, gibt es keine vorbildliche Ordnung im Zellenstaat und der Körper kann nicht gesund sein. Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ableiten, worauf es vor allem ankommt, wenn man gesund werden oder bleiben will.

Und wie kann man darauf einwirken die Gesundheit zu haben?

Man muss Ordnung in sich aufnehmen, wenn man in Ordnung bleiben will. Um die vorbildliche Funktion (die Grundlage aller Gesundheit) jeder Zelle zu erhalten, muss den Zellen gesunde, lebende Substanz zugeführt werden, wie sie nur die gesunde Pflanze und das gesunde Tier hergeben können. Beide aber müssen auf gesundem Boden stehen, der unbeeinflusst von künstlichen – chemischen Mitteln im Ablauf seiner Fruchtbarkeitsbildung nicht gestört wurde.

Und diese Gesundheit, die eigentliche Grundgesundheit, die kann uns kein Arzt und kein Tierarzt schenken, sondern nur die Ordnung der Natur.

Wer sie zerstört, der ist verloren, der zerstört sich selbst.

Des weiteren kann man dafür sorgen, dass unsere Lebensführung und unser Verhältnis zu der Umwelt und den Mitmenschen in Ordnung ist. Allerdings gibt es da keine allgemeingültigen Rezepte – das muss ein jeder mit sich selbst ausmachen.

46. Artikel Sommer 1966

„Gedanken über den Bodentest zu seinem 17. Geburtstag“ 

Mit dem Anschlag seiner 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg und seinem Bekenntnis zur „Freiheit des Christenmenschen“ hat Martin Luther den Christen den Weg zur Erneuerung ihrer Kirche gewiesen. Es war eine Elite, die den Kampf gegen die Trägkeit des Denkens und der Gewohnheiten aufnahm und die Geschichte hat ihnen recht gegeben. Das war vor 500 Jahren.

Vor 150 Jahren erfand der junge Chemiker Justus v. Liebig die Elementaranalyse und begründete die moderne Chemie. Der reife, erfahrene und weise alte Mann vertrat in späteren Schriften sehr nachdrücklich die organische Düngung des Bodens mit den organischen Abfallprodukten der Städte. (1865 Auftrag ein Gutachten zu erstellen über die Entsorgung der Abfallstoffe der Kanalisation von London, dh. Rückführung in den Kreislauf des Lebendigen).

Er lehnte die künstliche Stickstoffdüngung ab, damals den Chilesalpeter und vertrat die Ansicht, dass die „Mehrzahl der Kulturpflanzen darauf angewiesen seien, ihre Nahrung von der Ackerkrume durch die eigene Wurzeltätigkeit zu empfangen und dass sie absterben, wenn ihnen die Nahrung in einer Lösung zugeführt werde.“

Die Erkenntnisse des alten Liebig wuden damals nicht mehr gehört und wuden vom Tisch gewischt. Sie waren jedoch das Tor zu großen, neuen, biologischen Erkenntnissen.

Vor 60 Jahren wurde im Rahmen der jungen oganisch-biologischen Landbaumethode der Rusch-Test entwickelt – als Instrument zu Messung vor gegebener Düngermenge und biologischer Bodengüte.

Die Entwicklung hoher biologischer Qualität, das letzte Ziel unserer Mühen wurde mit Hilfe des Testes weitgehend gefördert. Die biologische Qualität eines Bodens besteht darin, dass er imstande ist, der wachsenden Pflanze ein reichhaltiges Angebot an sogenannten lebenden Substanzen zur Verfügung zu stellen. Diese lebendigen Kräfte, die ein leistungsfähiger Boden zu liefern vermag, verleihen den Kulturpflanzen alle die Fähigkeiten, die sie haben müssen, um ohne künstlichen Schutz zu wachsen und zu gedeihen.

Mit unserem Test können wi feststellen, ob ein Boden ein solch reichhaltiges Angebot an lebendigen Kräften hat oder nicht und dann die einzusetzenden Maßnahmen an Pflege und Düngung danach zu richten.

Es werden auch angebotene organische Dünger untersucht, bei denen sich erstaunliche Unterschiede ergeben wonach man sie empfehlen kann oder nicht.

Die Entwicklung und Steigerung hoher biologischer Bodenqualität wird gefördert:

  • Jeder kultivierte Boden muss ständig etwas Urgesteinsmehl zur Verfügung haben, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Wirkung des Urgesteins nur ganz allmählich zustandekommt.
  • Je öfter und je rücksichtsloser man die Bodenschichten durch tiefgreifende Bodenarbeit durcheinander bringt, um so geringer ist die biologische Bodenqualität.

Im Übrigen können wir glücklich sein, dass wir einen unbestechlichen Test haben, mit dem wir uns selbst und unsere Arbeit kontrollieren können.

Der Rusch-Test wird nur mehr in kleinem Rahmen von der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum für ihre Bauern mit guten Erfolgen durchgeführt im Labor Mag. Andrè Gilhofer, Rebenleiten 10, 4170 Haslach, Österreich.

45. Artikel Frühjahr 1966

„Technik und Boden“

1) Globale Führungskräfte haben weltweit die Auflösung der bäuerlichen Klein- und sogar Mittelbetriebe angestrebt und weltweit verwirklicht.

2) Die Industrie schafft laufend neue Konsum- und Luxusgüter und übt auf junge Menschen eine eminente Saugkraft aus, diese zu erwerben und dazu braucht es Geld, das der Landbau nicht bietet, wohl aber die Industrie.

3) Die Jugend, – wohl mehr als jemals früher – auf die Befriedigung materieller Bedürfnisse eingestellt, folgt diesem Trend und die Landflucht kam in Gang.

4) Die Industrie hat zwischenzeitlich die maschinelle Entwicklung so weit vorangetrieben, dass die mechanisierte Landwirtschaft tatsächlich mit einem Bruchteil an arbeitenden Menschen auskommt.

5) Man hat auf diese Weise den Nährstand vieler Staaten umgewandelt in ein seelenloses Industrie-Unternehmen, in eine Fabrik. Die Maschine triumphiert und beherrscht das Denken.

6) Das Bodenleben ist unbekannt, man weiß nicht, dass die Muttererde ein lebendiges Wesen ist, das unter den Raupen der Maschine sterben muss.

7) Unter solchen Bedingungen ändert sich auch der Mensch, er wird zum Materialisten, für den nur der äußere Erfolg zählt in Geld und Autos. Das Tier wird zum Produktionsmittel und die Muttererde zur wesenlosen Maschine.

8) Um diesem dem echten Bauerntum so verderblichen Geist zu begegnen, geht Dr. Müller mit den Jungbauern in die Berge und lehrt sie das einfache Leben und sein Glück. Er stellt sie vor die Allgewalt der Natur und zeigt ihnen, dass der Beruf des Bauern mehr ist als die dicken Lohntüten des Industriearbeiters.

9) Jedes Befahren von Äckern und Wiesen ist ohne Ausnahme ein Leistungsverlust. Das Porensystem des Bodens, das sowohl die Atmung als auch die Bewässerung des Bodens vermittelt, wird durch die schweren Maschinen zusammengepresst bis vernichtet.

Wie ist nun dem Schaden zu begegnen?

a) Man fahre möglichst nicht aufs Land, wenn es nass ist, am wenigsten auf Lehm und Ton.

b) Je lebendiger der Boden, umso besser erholt er sich vom Press- und Mahlschaden, den die Maschine anrichtet.

c) Wer nicht mehr tiefpflügt (Pflugsohle), wer überhaupt am Pflügen einspart, spart auch an Bodenschaden.

d) Nackter Boden wird allemal schwerer geschädigt als bewachsener oder bedeckter (Nährdecke) und nackten Boden soll es ja im biologischen Landbau möglichst niemals geben.

e) Im biologischen Landbau überwiegt die Bearbeitung der Oberfläche und diese Arbeitsgeräte sind ohnehin leichter, man wird aber möglichst die Zugmaschine wählen, deren Konstruktion am günstigsten ist.

Am allerwichtigsten aber ist es doch, dass ein jeder den Schaden im Innersten empfindet, den eine jede Maschine auf dem Acker anrichtet.

44. Artikel Winter 1965

„Über den Stickstoff Kreislauf“

Der Stickstoffkreislauf ist ein Teil des gesamten biologischen Substanzkreislaufes, denn der Stickstoff ist neben dem Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff eine der wenigen Atomformen, aus denen die Lebensstoffe gebildet sind. Eine der wichtigsten Bildungen, deren sich das Leben bedient, sind die Eiweißstoffe und sie enthalten fast als einzige Lebensstoffe auch Stickstoff-Atome.

Die Bausteine der Eiweißstoffe (Proteine) sind die Polypeptide und diese sind aus Aminosäuren, deren es mehr wie 20 gibt, zusammengesetzt. Die Aminosäuren werden auf der Basis einfacher Stickstoffverbindungen aufgebaut, daher die überragende Rolle des Stickstoffs im biologischen Substanzkreislauf.

Das geschieht im Laufe von Lebensprozessen im lebendigen Boden, vorzüglich im Wurzelbereich der Pflanzen, aber auch im Organismus Pflanzen, Tieren und Menschen (arteigenes Eiweiß) in geringen Mengen.

Bei dieser Eiweißbildung spielen die Mikroben, vor allem die Bakterien, eine große Rolle. Damit ist der lebendige Boden mit seiner Mikroben-Flora eine höchst wichtige Einrichtung. Während die Pflanze ihre Kohlehydrate, auf die Tier und Mensch auch angewiesen sind, sehr wohl selbst herstellen kann (Chlorophyll Synthese), kann sie ihre Eiweiße ohne Mitwirkung des Bodens nicht in normaler Vollkommenheit bilden.

Das große Stickstoff-Vorratslager der Erde ist die Luft, es bestehen rund 80% der Luftgase aus reinem Stickstoff.

Man hat errechnet, dass auf unserer Erde in etwa stets die gleiche Menge an Stickstoff gebunden ist – wie man auch errechnet hat, dass die Menge der lebenden Substanz auf Erden in etwa immer die gleiche war und ist.

Der Stickstoff bleibt im Allgemeinen stets im biologischen Substanzkreislauf, er flüchtet dann, wenn Fäulnisprozesse in Gang sind, wenn organische Masse unter Luftabschluss fault, dann flüchtet er als gasförmiges Ammoniak NH3.

Im Gegensatz dazu steht die Fähigkeit vieler Bakterien nicht nur der Wurzelknöllchen der Leguminosen und der Azotobakter den Stickstoff aus der Luft zu binden, als Ausgleich für den Verlust.

Der organische natürliche Stickstoffkreislauf ist somit ein besonders wichtiger Teil der Lebenskreisläufe, mit ihm steht und fällt auch der biologische Landbau. Es ist daher Sorge zu tragen, dass alle organische Substanz Jauche, Gülle, Stallmist, Grünkompost, Gründüngung möglichst bald der natürlichen Zersetzung bei Luftzutritt (Rotte) zugeführt wird.

Sehr gestört wird jedoch der so entscheidend wichtige organische Substanzkreislauf durch das Hinzufügen von synthetischem Stickstoff. Von da an werden sämtliche Lebensvorgänge des Bodens verfälscht, weil ja den nahrungsaufbauenden Bakterien ein Teil ihrer Arbeit abgenommen wird ohne den sie nicht normal funktionieren. Es geht um die Harmonie der Lebensvorgänge, um die physiologische Bodenfunktion, ohne die eine geordnete Stoffbildung nicht möglich ist. Es gibt eine Unzahl von Eiweißbindungen, die notwendig sind, um die Eiweißbausteine zu bilden, die von den höheren Lebewesen gebraucht werden. Eine solche Vielfalt können die Bakterien nur vorbereiten, wenn man sie in ihrem natürlichen Nahrungskreislauf lässt und ihnen nicht die Fremdstoffe der Kunstdünger aufzwingt, besonders keinen synthetischen Stickstoff.

43. Artikel Herbst 1965

„Der Stickstoff im biologischen Landbau“

Mit dem Stickstoff steht und fällt sowohl die Kunstdüngerwirtschaft wie der biologische Landbau, denn tatsächlich „ohne Stickstoff gibt es kein Wachstum“.

Wir kennen den künstlichen Stickstoff, den die Chemiker in ihren Großanlagen aus der Luft synthetisieren und den natürlichen Stickstoff, den organischen, der durch Lebensvorgänge erzeugt wird. Zwischen diesen beiden Stickstoff-Formen gibt es entscheidende Unterschiede. Sie sind chemischer, physikalischer und biologischer Art und sind für uns im biologischen Landbau der allerwichtigste Unterschied im Stoffwechsel zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

Das Lebendige auf Erden, das ja überwiegend aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff besteht, macht Gebrauch von den großen Vorratslagern der Natur an Stickstoff in Form der Luft. Eine der wichtigsten Bildungen, die das Lebendige aus den Elementen formt, ist das Eiweiß, das Protein in Form von über 20 Aminosäuren. Zu seinem Bau ist Stickstoff ein Grundbaustein. Eine weitere Tatsache ist maßgeblich, nämlich der Grundsatz, dass alle Stoffe, die einmal vom Lebendigen aufgenommen und zu den großen Molekülen verbaut wurden, deren sich das Leben bedient, möglichst vollständig wiederverwendet werden sollen zum biologischen Substanzkreislauf. Dieser ist der wichtigste Grundsatz aller Nahrung und aller Ernährung, dass diejenigen Stoffe, die für das Lebendige kennzeichnend sind, nicht immer wieder von neuem aus Grund- oder Rohstoffen gebildet, sondern aus dem „Kreislauf der Substanzen“ genommen werden.

Daher der Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Stickstoff. Der künstliche kommt unmittelbar aus dem Rohstofflager der Natur, aus der Luft, der natürliche hingegen ist seit kürzerer oder längerer Zeit, vielleicht bereit seit Jahrtausenden im biologischen Substanzkreislauf unterwegs.

Der Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Stickstoff:

  1. Der Chemische: Der künstliche Stickstoff besteht aus ganz einfachen Elementverbindungen, aus wenigen Atomen. Der natürliche Stickstoff kommt aus dem biologischen Substanzkreislauf und ist in Proteinen (Eiweiß) oder deren Bausteinen, den Aminosäuren enthalten. Es gibt deren mehr als 20, die Mischungsmöglichkeiten sind enorm.

  2. Der Physikalische: Stickstoff kommt außer in seiner normal bekannten Form auch in der physikalisch ganz anderen Form von Isotopen vor. Das Angebot an Stickstoff-Sortenwahl, das die Natur der Pflanze biete, ist ein ganz anderes als das Zwangsangebot, das man der Pflanze mit künstlichem Stickstoff macht.

  3. Der Biologische: Stickstoff aus der Retorte ist biologisch-funktionell unwirksam, er wird als Salz in den Stoffkreislauf der Pflanze eingeschleust und wird als elementarer Baustein verwandt. Anders die Stickstoffverbindungen aus dem biologischen Substanzkreislauf, sie haben „Charakter“, sind biologisch-funktionell wirksam und erleichtern den Organismen ihren Aufbau.

Der künstliche Stickstoff kann keinesfalls den natürlichen Stickstoff, der im Fluss des Nahrungskreislaufes aus dem Boden zur Pflanze gelangt im Entferntesten ersetzen.

42. Artikel Sommer 1965

„Humus und der Mensch“ 

Als der Mensch zu Milliarden angewachsen, die Schätze der Erde in seine Verwaltung nehmen musste, da wurde dieses Schicksal auch dem fruchtbaren Boden zuteil. Man tat es mit dem Wenigen, das man von ihm wusste, aber man tat es in weltweitem Umfang. Damit wurde der moderne, wissenschaftliche Mensch, nicht wissend und nicht wollend zum Zerstörer der Fruchtbarkeit, zum Verschwender der „Alten Kraft“ des Bodens zum größten Feind des Humus.
So kommt es, dass der Mensch nicht nur mit seinen Atombomben seinen chemischen Giften, sondern auch mit der Zerstörung der eigentlichen Fruchtbarkeit, also des Humus, an seiner eigenen Vernichtung arbeitet, und sie wird kommen, wenn er sich nicht anders besinnt.
Durch die Erschaubarkeit der Erde durch das Mikroskop wissen wir heute, dass die Vielgestaltigkeit des Lebens im Boden ihresgleichen nicht hat. Tatsächlich ist das Leben in der Erde viel mannigfaltiger als das Leben über der Erde.
Nicht ein einziger dieser Bodenorganismen ist überflüssig, jeder hat seine spezielle Aufgabe zu erfüllen. Niemals wird man dieses Spinnennetz von biologischen Vorgängen entwirren, erklären oder gar nachahmen können. Es ist als gegeben hinzunehmen, wir haben damit zu arbeiten, ohne es zu gefährden und haben ihm sein Dasein zu sichern. Dieses Riesenheer von Kleinlebewesen von einer Größenordnung von ca. 1/1000 mm, ist der Produzent des Humus, des ewigen Quells des Lebens in der Muttererde und durch nichts anderes ersetzbar.
Es gibt also im fruchtbaren Boden etwas das in millionen- und milliardenfacher Ausführung imstande ist, anderen Lebewesen als Nahrung zu dienen und ihnen diejenigen Wirksamkeiten zuzuführen, die wir Leben, lebendige Substanz, nennen.
Diese milliardenfache Vielfalt und Auswahl ist notwendig um die Kulturpflanzen mit allen ihren Nachkommen gesund zu halten und damit uns eine vollkommene Nahrung zu schaffen.
Was wir den Bodenlebewesen an Nahrung geben, wir nennen es Düngung, muss daher so vielfältig sein, wie es Bodenflora und nachfolgend der Humus verlangen.
Alle Handlungen des Landbaues müssen darauf abgestellt werden, den natürlichen Fluss der lebendigen Wirksamkeiten ungestört zu lassen und alles zu tun, was seinen Fluss fördern kann.
Die Kunstdüngung ist das Ergebnis chemisch-analytischer Forschung und was man hier an Nährstoffen für die Pflanze entdeckt hat verabreicht man als Kunstdünger, in Form von toten Salzen, die wasserlöslich sind und damit kann die Pflanze aufnehmen so oft sie Wasser braucht. Der Boden hat dabei kein Wort mehr mitzusprechen, seine ordnende Kraft ist ausgeschaltet.
Die Mikrobenflora, die ebenfalls von den Kunstdüngernährstoffen ihren Teil bezieht, muss aber auf die Zufuhr von den lebendigen Wirksamkeiten aus dem Lebenskreislauf verzichten. Der so gewonnene Humus ist halbherzig.
Der Humus geboren aus der Vielfalt der Bodenflora, entstanden ohne Störung des biologischen Gleichgewichts vermag allein zu vermitteln wessen wir im biologischen Landbau bedürfen: Biologische Ordnung.
Die lebendige Welt geht ohne biologische Ordnung zugrunde!

Die rücksichtslose Technisierung der Produktion von Lebendigem hat Boden, Pflanze, Tier und Mensch der biologischen Ordnung beraubt. Ein waghalsigeres Experiment kann man mit der Menschheit kaum noch machen. Die biologische Vernunft d.h. der gesunde Menschenverstand, der Gut und Böse zu unterscheiden weiß ist eine Funktion der biologischen Ordnung. Wer den Menschen also eine Nahrung anbietet die der biologischen Ordnung ermangelt, der muss wissen, dass dann die biologische Vernunft verloren geht und wir an den Rand der Selbstvernichtung gelangen.
Ohne den Humus so wie er von der Schöpfung gemacht war und gedacht ist, wird es keine Menschlichkeit mehr geben.

41. Artikel Winter 1964

„Eine Stunde der Besinnung“ 

In einem täglichen Kampf um die Wahrheit muss man von Zeit zu Zeit in aller Stille seine Wege, sein Schaffen und seine Ziele überdenken, auf dass man nicht müde und wankend werde. Was ist es denn, um das wir uns Mühe geben, und was ist es, das uns zwingt, anders zu sein als die meisten, andere Wege zu suchen, von denen wir glauben, dass sie besser seien?

Man kann es mit wenigen Worten sagen: Wir glauben, dass der Mensch der modernen, technischen Vollkommenheit begonnen hat, die Fundamente seiner selbst, seines Lebens, seines Glückes, seiner Gesundheit zu untergraben, und wir glauben, dass er damit begonnen hat, sich selbst ins Unglück zu stürzen, vielleicht sogar sich selbst und die ganze, herrliche, lebendige Schöpfung Gottes zu vernichten. Und weil wir das glauben, deshalb kämpfen wir um eine bessere Erkenntnis der Natur; wer aber die Äcker bebaut, damit die „Mutter Erde“ Nahrung spende, der steht mitten im Brennpunkt des Zwiespaltes zwischen Urnatur und menschlichem Wirken, er muss sich damit auseinandersetzen.
Das ist freilich nicht Sache von Schwächlingen und Mitläufern, jener Zeiterscheinung der Ameisenmenschen, die die Großstadt und die Wohnmaschinen aus Eisenbeton geschaffen haben; sie begehren nicht mehr auf gegen Unwahrheit, Schein und Selbstbetrug, denn sie halten die Errungenschaften dieser Zeit, die kaum eine Sekunde der Weltgeschichte alt sind, für die vortrefflichsten Menschentaten, und man gibt ihnen, was sie brauchen – Brot und Zirkus nannten es die römischen Kaiser; heute heißt es Auto, Film, Fußball, Illustrierte und – möglichst viel und immer mehr Geld, um sich alles das kaufen zu können, was vom Menschsein wegführt zur geist- und seelenlosen Beschäftigung, die das Denken erspart, das Verantwortungsgefühl auslöscht und das Gewissen schweigen macht.
Auch des Bauern hat sich das Massenmensch-Denken bemächtigt. Aus dem Herrn der Scholle, der Muttererde wurde ein gehorsamer, willenloser Hilfsarbeiter einer Pflanzenfabrik. Wie konnte das geschehen? Eine kleine Teilwahrheit, nämlich die Minerallehre, erklärte man zur ganzen Wahrheit, damit war die Kunstdüngerwirtschaft geboren.
Kunstdüngung zwingt zum Saatgutbezug und zur Chemotherapie des Ackers und der Pflanze mit lebensgefährlichen und teuren Giften. Ehe aber die Schäden der Kunstdüngung auftraten hat man die Bauern längst an die Künstdüngung gewöhnt und sie hatten die Humuswirtschaft verlernt.
Deshalb kommt der Landwirt von heute gar nicht mehr auf den Gedanken, dass dieses ganz so raffiniert entwickelte industrielle System „Kunstdüngung“ eigentlich nur auf seine Kosten geht.
Wir müssen erkennen, dass die ganze Kunstdüngerwirtschaft eine Fehlentwicklung ist auf der Basis vor halben oder irrigen wissenschaftlichen Meinungen, die wir an ihren Platz stellen müssen.
Was einstmals Justus v. Liebig fand, war und ist eine Wahrheit: die wachsenden Pflanzen bauen ihr Gerüst auf aus den mineralischen Bestandteilen des Bodens. Liebig hat geahnt, dass der Mineralstoffwechsel nicht die letzte Weisheit von Pflanzengedeihen sei, sondern dass irgendetwas ganz anderes diesen untergeordneten Stoffaustausch lenke und harmonisiere. Er hielt also selbst seine Entdeckungen für eine kleine Teilwahrheit und blieb dabei nur mit natürlichen Mineralien zu arbeiten, auf keinen Fall aber mit künstlichem Stickstoff, und er war zutiefst erschrocken, als er bemerkte, was seine Nachfolger aus seinem Lebenswerk zu machen begannen.
Die Kunstdüngung war der erste Schritt, weitere folgten: der landwirtschaftliche Großbetrieb, die Eier- und Schweinefabriken, die Rindergroßviehställe usw. Hier wird unser bester Freund das Haustier ohne jede Daseinsfreude, mithilfe raffinierter Industrienahrung aus Nährstoffen, Hormonen und Antibiotika mitleidlos zur „Produktion missbraucht.
Diese Fehlentwicklung ist die direkte Folge eines einzigen falschen Gedankens, des Gedankens der künstlichen Pflanzenernährung. Der biologische Landbau ist ein Geschenk der lebendigen Schöpfung, das sie nur dem gibt, der sie verehrt und demütig ihren Gesetzen gehorcht. Der biologische Landbau ist nicht Sache der Methode, sondern Sache des ganzen Menschen.

40. Artikel Herbst 1964

„Was verleiht dem Boden die nötige Triebkraft“

Das Wachstum von wilden oder kultivierten Pflanzen, so selbstverständlich es auch ist, kommt nur zustande, wenn sehr viele und sehr verschiedene Faktoren zusammenkommen; es hängt ab von

a) der Pflanze selbst, d.h. vom biologischen Wert des Samens, der Pflanze, der Knolle,
b) vom Boden, d.h. seiner Leistungsfähigkeit bzw. der Leistung seines lebenden Teiles und schließlich
c) von den Umweltfaktoren, z.B. Licht, Wärme, Grundwasser, Unterboden, Konkurrenzpflanzen und anderen Faktoren.

Wenn wir uns die Frage stellen, welchen Anteil daran der Boden hat, um eine natürliche Triebkraft zu haben, so schneiden wir damit ein Problem an, das für den Landbau praktisch wohl das wichtigste ist; denn auf den Boden kommt es am meisten an. Sehen wir uns die Sache genauer an, so stellen wir fest, dass sich die wichtigsten Voraussetzungen für eine natürliche Triebkraft des Bodens etwa folgendermaßen einteilen lassen :
1. Der Boden muss von Natur aus eine bestimmte Beschaffenheit haben, um fruchtbar werden zu können.

2. Gewisse Böden eignen sich nur für gewisse Pflanzungen, z.B. gibt es gute und schlechte Kartoffel- oder Weizenböden.

3. Nicht alle Pflanzen gedeihen in allen Gegenden, Breitengraden oder Höhenlagen.

4. Die Triebkraft des Bodens hängt weitgehend davon ab, wie wir ihn behandeln.

5. Die Triebkraft des Bodens hängt auch davon ab, wie wir ihn ernähren.
Schauen wir uns zunächst einmal die Punkte 1-3 an: Der Boden soll von Natur aus eine bestimmte Beschaffenheit haben, um natürliche Triebkraft zu entwickeln; man teilt deshalb ja auch die Böden in „Klassen“ ein, um ihre „Bonität“ auszudrücken.

1. Die Boden-Bonität (Tongehalt Grundwasserstand, Sandgehalt Unterboden) die vorherbestimmt ist, kann nur mit besonderen Maßnahmen (Sandzufuhr, Lehmzufuhr, Drainage, Tongehalterhöhung durch Gebrauch von Urgesteinsmehl) geändert werden.
Schwerveränderbar ist die Dicke der Krume, hier anzuwenden das Verfahren der natürlichen Bodenaufschließung, gültig für die meisten Böden; das Anbauen von tiefwurzelnden Schmetterlingsblütlern wie Klee, Lupine, Luzerne. Diesen Tiefwurzlern ist, sollen sie voll wirksam werden, viel Zeit zu lassen, mindestens eine Vegetationsperiode.
2. und

3.  Wiederbelebung der alten bäuerlichen Fähigkeit und Erfahrung dem Boden nur jene Kulturen anzuvertrauen, die dort gut gedeihen und ihm nicht bestimmte Kulturen aufzwingen, die dort keine Aussicht auf gutes Gedeihen haben.
4. Die Triebkraft des Bodens hängt weitgehend davon ab, wie man ihn behandelt.
Jedes Bearbeiten, jede Störung der natürlichen Schichtenbildung, so nötig sie auch sein mag, stört die natürliche Fruchtbarkeit. Die natürliche Fruchtbarkeit, ohne die es keinen biologischen Landbau geben kann, hängt nicht davon ab, dass der Boden mechanisch gekrümelt wird, sondern nur davon, dass er biologisch strukturiert – lebendig aufgebaut – wird. Beides hängt voneinander ab. Wo es keine Lebenstätigkeiten gibt, da gibt es auch keine natürliche biologische Krümelung, und wo es keine solche, selbsttätige Krümelung gibt, da kam auch kein Leben gedeihen und das Leben des Bodens ist im biologischen Landbau der Spender alles dessen, was für das bestmögliche Pflanzenwachstum, d.h. für die höchste Boden-Triebigkeit nötig ist.
Die natürliche biologische Bodenstruktur wächst langsam und stetig fast genauso wie eine Pflanze wächst, denn sie ist ein Lebensgebilde so ähnlich wie die Holzteile eines Baumes, der ja auch nur ganz allmählich heranwächst. Im biologischen Landbau in seiner organisierten, kontrollierten und wissenschaftlich durchdachten Form, wie es einen solchen noch nie gegeben hat, lebt der Boden, ist also auch fruchtbar und triebig, da wird der traditionelle Pflug entbehrlich, das entbehrliche Umwühlen zum Mord am Organismus Muttererde.
5. Die Triebkraft des Bodens hängt davon ab, wie wir ihn ernähren. Es handelt sich bei dieser Ernährung nicht allein um die organischen Dünger und Düngemittel sondern um die Gesamtheit der Humuswirtschaft. Die echte wirkliche Humuswirtschaft ist der gelungene Versuch die Muttererde wieder in den Kreislauf der biologischen Wirksamkeiten einzuschalten. Diese Wirksamkeiten samt den sie begleitenden Stoffen müssen aus einem voll funktionierenden Kreislauf stammen, der in allen Gliedern auf Hochtouren läuft.
Zur Düngung brauchen wir also sowohl die Pflanze wie das Tier, sowohl die pflanzliche wie die tierische Komponente.
Düngermengen und Düngerverfahren können nicht vorgeschrieben werden, die Humuswirtschaft ist und bleibt für alle Zeiten Sache der Bauern, seines biologischen Blickes, seiner eigenen Erfahrungen und Erlebnisse seines Feingefühls für das Leben des Bodens.
Der biologische Landbau ist etwas ganz anderes als der konventionelle; hier kann man die höchste Bodenleistung, die natürliche Triebigkeit nicht willkürlich herbeizaubern, indem man dem Boden diesen oder jenen „Stoff“ zufügt, sondern hier muss man die Voraussetzungen zur Fruchtbarkeit von den zwei Grundgedanken aus erfüllen :
1. Der Boden ist mit allem, was er enthält, wie er gebaut ist und wie er lebt, ein lebendiger Organismus, der zu erstaunlichen Leistungen fähig ist, wenn man mit ihm umzugehen versteht.
2. Das Bodenleben ist nur eine von allen Lebenserscheinungen und unmittelbar vom übrigen Leben abhängig; es kann dem Boden nicht gut gehen, wenn es den Pflanzen und Tieren schlecht geht, und umgekehrt.
Der lebende Bodenorganismus ist ein Glied in der Kette aller Lebensvorgänge, wahrscheinlich das wichtigste. Eine Kette ist aber nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wer darüber nachdenkt, wird die Bodenfruchtbarkeit mit ganz anderen Augen anschauen wie bisher. Wer aber zum Humusbauern geworden ist, dem braucht man das alles nicht mehr zu sagen.

39. Artikel Sommer 1964

„Düngetechnik und Bodenfruchtbarkeit“ 

Es handelt sich hier in erster Linie um die Bildung von Hemmstoffen auf frischen Düngern (Mist Gründüngung). Für die Bildung der Hemmstoffe sind die pilzlichen und bakteriellen Lebewesen verantwortlich; in dem Augenblick in dem sich über die frischen Düngestoffe die zuständige Zersetzungsflora (Pilze- Fäulnis- u. Gärungsbakterien) hermacht, entstehen die Hemmstoffe.
Die Hemmstoffbildung, auch Zellgare genannt, ist abhängig von der Bodentemperatur. Bei Temperaturen unter 15° dauert es sehr lange, bis zu 3 Monaten, ehe die Hemmstoffwirkung überwunden ist, bei Temperaturen über 25° erlischt die Hemmwirkung in ca. 10-14 Tagen.
Vermischt man das Frischmaterial mit Erde in dem praktisch vorkommenden Verhältnis Dünger- Boden, so werden ganz erheblich größere Mengen Hemmstoffe gebildet aus der gleichen Materialmenge, nur erlischt die Hemmwirkung umso früher.
Die Zersetzungsbakterien haben im Boden mehr Platz zur Vermehrung als im konzentrierten Düngematerial.
Es sind in erster Linie die Stoffwechselprodukte der Zersetzungsbakterien die die Hemmstoffe bewirken und so auf Samen und Pflanzen hemmenden Einfluss ausüben.
Wer Stallmist oder Gründüngung in den Boden einarbeitet und sei es auch nur wenige Zentimeter, der muss damit rechnen, dass sich mit der Bodenerwärmung als bald eine kräftige Zersetzungsflora ausbildet und reichlich Hemmstoffe gebildet werden.
Die Schäden an Samen und Pflanzen können nur verhindert werden, in dem man den Ablauf der Zersetzung abwartet bis zum Einsetzen der makromolekularen Gare auch Plasmagare genannt. Wie lange aber die Zersetzungszeit dauert und wieviel Hemmstoffe auf einmal zB pro Tag gebildet werden, ist nach Bodenart, Jahreszeit, Düngermenge, Feuchtigkeit und Bodentemperatur entsprechend verschieden.
Die Wirksamkeit der Hemmstoffe kann bei Jungpflanzen Schädigungen hervorrufen, die später die Erträge beeinträchtigen. Schädigungen bei der Ankeimung, des Auflaufens, des Pflanzenwuchses, der Widerstandsfähigkeit und letztlich Ernteeinbußen können ihren Ursprung in nicht ausgereiftem Frischdünger haben.

38. Artikel Frühjahr 1964

„Bodenfruchtbarkeit“

 In diesem Kapitel wird das Nur-Stoffdenken der damaligen Naturwissenschaft, das übrigens auch heute noch nicht vollständig überwunden ist, als Unvollkommenheit bezeichnet. Es werden immer nur Teile des Lebendigen gesehen und forschend behandelt woraus sich Antworten nur auf biologische Teilfragen finden lassen. Diese Ergebnisse werden dann als große Naturweisheiten ausgegeben. Dem gegenüber stand damals bereits der beginnende Wandel im naturwissenschaftlichen Weltbild vor allem in der Physik.
Da lösten sich seit Albert Einstein, Nils Bohr, Werner Heisenberg u.a.m. die Stoffe plötzlich auf und der Physiker Hermann Weyl konnte sagen „Der Stoff ist nicht, der Stoff geschieht!“. An die Stelle der Stoffe traten nun Kräfte, Energien unfassbare Wirksamkeiten.

Der biologische Landbau fordert an Stelle der Nur-Detailforschung auf Stoff-Ebene ein biologisches Ganzheitsexperiment, da das Leben nur in solchen nicht-stofflichen Begriffen, in den großen Wahrheiten des Zusammenlebens aller Lebewesen zu verstehen ist. Die biologischen Ordnungen,das Zusammenleben aller Lebewesen möglich machen, sind stofflich nicht zu beweisen.
Es wird darauf hingewiesen, dass der Druck von Dr. Ruschs Buch „Die Bodenfruchtbarkeit“ kurz bevorstünde mit einer weitgehenden Darstellung aller Grundlagen des organisch biologischen Landbaues und der Wegfindung heraus aus Kunstdünger, Pflanzenschutzgift, Kunstnahrung und Chemieuchung.